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Hauptstaatsarchiv Dresden, Document KA (P) 22981
A.H.Qu., 26.2.1918
NO der O.H.L.
beim A.O.K. 6
Nr.13621
Auswertung von Aussagen und Papieren eines am 21.2.18 bei Wavrin unverwundet gefangen genommenen australischen Fliegeroffiziers.
1.) Persönliches: 2/Lt. Alexander Couston, Austral. F.C., Pilot.
24 Jahre, Student der Ingenieurwissenschaften an der Universität Adelaide, Süd-Australien.
Eintritt in die Armee: 1.9.14; machte bei einer MG-Kompanie den Feldzug in Egypten und Gallipoli mit, kam im Juni 16 zur Somme-Offensive nach Frankreich; Ãbertritt zum A.F.C. am 2.5.17; nachzuweisen im Dez. 17 auf dem Flugplatz Ayr und bei der MG-SchieÃschule Nr.2 in Turnberry; am 9.1.18 mit seiner Squadron nach Frankreich.
2.) Fliegerverband: 4.australische Squadron (durch Papiere bestätigt), X.Wing (laut Aussage, bestätigt).
Kommandeur: Major Maclauchery.
Die australischen Squadrons, die bisher Nummern des R.F.C. trugen, haben jetzt eigene Nummern erhalten.
Die 4. austral. Squadron trug früher die Nr.71. Durch das identische Squadron-Abzeichen Bumerang (in der Form eines Hakens) - erwiesen.
Gef. sagte ferner aus, dass der am 13.1.18 in deutsche Gefangenschaft geratene Lt. Wilmott, dessen Zugehörigkeit zur 71.Squadron erwiesen war, zu seiner Squadron gehört habe und gibt dann selbst die Umnummerierung zu.
Flughäfen: Bruay, dasselbst auch Squ.40 mit S.E.5 (beides zum ersten mal sicher festgestellt).
Flugzeug: Camel, B 5552, 130 P.S. 9 Cyl. Clerget-U-Motor Nr.1324.
Stärke: 18 Flugzeuge.
Aufgaben: Patrouillen zu reinen Kampfzwecken und Schutzstaffeldienst für Arbeitsflugzeuge (siehe unter Ziffer V), keine eigene Erkundungstätigkeit.
Die 4.australische Squadron habe in den 6 Wochen ihrer Frontflugtätigkeit, einschlieÃlich des Gef. auf deutscher Seite 3 (Wilmott 13.1. und Martin 17.2), auf englischer Seite keinen Piloten verloren und 5 deutsche Flugzeuge abgeschossen, wovon eines zweifelhaft sei.
Pilot der Squadron: George Nowland.
3.) Auftrag und Abschuss:
Weitausgedehnte Offensive Patrol zu 4 Flugzeugen über Mericourt-Hénin Liétard-Carvin-Gondecourt-Wavrin. Ãber Chemy wurde im Luftkampf mit 4 Pfalz eine der letzteren abgeschossen. Gef. sagt, an seinem Flugzeug sei etwas nicht in Ordnung gewesen, so dass er schon einmal im Begriff gewesen wäre, ein grünes Licht abzufeuern und nach Hause zu fliegen. Er glaube, die Steuerdrähte der Verwindungsflächen müÃten sich verklemmt haben; jedenfalls sei das Flugzeug fast bewegungsunfähig geworden und sei immer gesunken statt gestiegen, wenn man es aufgerichtet habe. Als ein Pfalz sich hinter das auf diese Weise wehrlos gewordene Flugzeug gesetzt habe, sei nichts übrig geblieben als zu landen. Das Flugzeug habe (auÃer bei der Landung selbst) keine Beschädigung erhalten. FlakbeschieÃung habe nichts mit der Landung zu tun gehabt. Gef. befürchtet, dass der Abschuss des oben genannten Pfalz beim Wing nicht anerkannt werden möchte, da er wegen der weiten Entfernung von der Front kaum von dort aus beobachtet werden konnte, Erdbestätigung aber bei jedem Anspruch verlangt würde.
Gef. kennt die 2.austral. Squadron mit S.E.5 und scheint ihre Anwesenheit in Savy zu bestätigen. (Nachdem alle austral. Squ. eigene Nummern erhalten haben, dürfte die Ãnderung als in der folgenden Weise erfolgt anzunehmen sein:
bisher 67.Squ. jetzt 1. austral. Squ. Port Said - (?)
bisher 68.Squ. jetzt 2. austral Squ. Port Said - Savy
bisher 69.Squ. jetzt 3. austral Squ. Port Said - Bailleul
bisher 71.Squ. jetzt 4. austral Squ. Port Said - Bruay
Weitere australische Service-Squadrons sind zur Zeit nicht bekannt, nur eine Australian Flying Squadron Nr.2 - Flugschule, also Training-Squadron in Australien selbst.)
5.) Die 4.austral. Squ. scheint neben ihren eigenen Patrouillen-Flügen den Schutzstaffeldienst für die 16.(Art.Fl.) Squadron zu versehen. Bei dem Bombenangriff auf das deutsche Marine-Geschwader am 16.2. (vergl. Vernehmungsbericht der Lt.s MacDonald und Gilbert) wurden die RE´s der 16.Squ. von einem Flight der 4.australischen Squadron begleitet und vollzählig nach Hause gebracht; infolge richtiger Anlage sei das Zusammenarbeiten beider Verbände vollkommen geglückt. Gef. erzählt auch von einer kürzlich durchgeführten Erkundung der 16.Squ., wobei ein deutscher Flughafen fotografiert worden sei.
6.) Abweichend von dem Urteil anderer Flieger zieht Gef. den Clerget-Motor dem Le Rhone vor, dem er Unzuverlässigkeit und zu groÃe Empfindlichkeit vorwirft. Allerdings begünstigen die leitenden Kreise in England den Le Rhone, sehr zum Schaden der Waffe.
7.) Alle gefangenen englischen Flieger sprechen davon, dass die Amerikaner sich nicht vorstellen könnten, wie das Eingreifen Amerikas ni0cht den Krieg entscheidend zu Gunsten der Entente beeinflussen werde. Die Zahl der schon in England und Frankreich eingetroffenen amerikanischen Truppen wird von ihnen stets für sehr groà (stellenweise über eine Million) angegeben. An dem Scheitern des bevorstehenden deutschen Angriffs scheinen die Gefangenen nicht zu zweifeln. Beträchtliche Kriegsmüdigkeit ist andererseits augenscheinlich und in gröÃerem MaÃe als vor einiger Zeit vorhanden.
8.) 28.Training-Squadron (Flugschule für Jagdflieger) in Castle Bromwich bei Birmingham durch Brief vom 11.2.18 wieder bestätigt.
9.) Fliegeradressen:
a)2/Lt. A.E.G. Williams, 35.Squadron, France.
b)In Great Yarmouth ist eine R. Naval Air Station.
10.) Auf die anderen befohlenen Fragen ist von dem bei den meisten militärischen Dingen sehr zurückhaltenden Gef. keine Auskunft zu erhalten. Offener äuÃerte er sich über politische Fragen und Verhältnisse in Australien. Wie fast alle seitdem hier vernommenen englischen Flieger hat auch Gef. unter dem Eindruck der Darstellungen der englischen Presse, die Erwähnung von Gibraltar, Malta usw. in der letzten Rede des Reichskanzlers dahin aufgefaÃt, daà die Aufgabe dieser Stützpunkte durch England jetzt von Deutschland als Kriegsziel aufgestellt worden sei.
Während australische Truppen in Europa bei dem letzten Referendum gegen die allgemeine Wehrpflicht gestimmt hätten, da sie einen Zwang zum Heeresdienst für unstatthaft hielten, hätten bei der letzten Abstimmung im Dezember die Truppen nunmehr dafür gestimmt aus einer gewissen Erbitterung gegen die Arbeiterschaft in der Heimat, die durch Streiks sich immer gröÃere Vorteile zu verschaffen suche, aber die Dienstpflicht nicht auf sich nehmen wolle, In einem Brief aus Australien wird über die Frage der allgemeinen Wehrpflicht vom 17.Dezember gesagt: Je mehr Soldaten desto stärker das Heer, desto eher der Krieg zu Ende (wobei an einen anderen als einen für England günstigen Ausgang bezeichnenderweise nicht gedacht wird).
Australien habe jetzt eine Reihe glänzender Ernten erlebt, leider fehle es an Verschiffungsmöglichkeiten nach Europa, so dass andauernd grosse Mengen verderben. Käme aber der Friede bald zustande, so würde Australien ungeheuere Gewinne zu machen in der Lage sein. Der sehr eingeschränkte Verkehr von Australien nach Europa vollziehe sich jetzt ebenso wie der Truppentransport infolge der U-Boots-Gefahr nicht mehr durch den Suez-Kanal sondern um Südafrika und Südamerika herum, der Personenverkehr über Nordamerika.
gez. Frhr. v. Karg-Bebenburg
Tettenborn
Hauptmann und Nachrichtenoffizier der O.H.L.
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