Hauptstaatsarchiv Dresden, Document KA (P) 22981
B.) Auswertung von Papieren und Aussagen eines am 13.1.18 bei Ennecourt unverwundet
gefangen genommenen australischen Fliegeroffiziers.
1.) Persönliches:
2/Lt. Frank B. Wilmott, Australian Flying Corps, Pilot.
Trat nach seiner Angabe am 1.6.16 in Australien in das australische Fliegerkorps ein - Ausbildung auf australischen Fliegerschulen. Vollendung der Ausbildung in England. Gef. gibt an, längere Zeit in England bei einer Home Defense Squadron gestanden zu haben. Nach Frankreich ist er am 6.1.18 gekommen. Abgeschossen auf seinem 3.Flug über der Front.
2.) Fliegerverband:
71.(Australian) Squadron (nach Aussage); X.Wing (nach Aussage, durch Truppenmeldung bestätigt). Zum selben Wing gehören auch noch Squ. 40 und 43. (bestätigt).
Flugzeug: Camel, B 5602, 130 P.S., Clerget Motor (gebaut von der Fa. Delaunay, Belleville, St. Denis, Seine) Nr. 5155.
Squadron-Abzeichen: Eine Wellenlinie (stellt nach Aussage eines anderen Gef. die australische Wurfwaffe, den Bumerang dar). Der Gef. hat nach einem Beutepapier zweifellos in England zur 71.Squ. gehört, die dort dem XXV.Wing unterstand. Den zurückhaltenden Äußerungen des Gef. kann jedoch so viel entnommen werden, dass Squ. 71 in den ersten Januar-Tagen von England übergeflogen ist; er selbst nahm an dem Flug teil, mußte jedoch halbwegs über dem Kanal wegen eines Schneesturmes wieder umkehren; er ist dann zu Schiff nach Frankreich gekommen.
Von der erst vor ganz kurzer Zeit erfolgten Verlegung einer australischen Squadron nach Frankreich weiss auch ein anderer am gleichen Tage gefangen genommener englischer Flieger zu berichten. Dass es sich hierbei um dieselbe Squadron handelt, geht daraus hervor, dass beide Flieger erzählen, wenige Tage nach der Ankunft der Squadron seien 3 Flugzeuge bei einem Übungsflug in Gegend von La Bassée zusammengestoßen, wobei die Piloten tödlich abstürzten. Lt. W. fügte hinzu, dass sie zu seinem Verband gehört haben.
Der Flughafen muß nicht weit von Béthune liegen, da Lt. W. trotz der Kürze seines Aufenthalts in Frankreich eine Anzahl von Flughäfen in dieser Gegend (aber auch nur solche) kennt. Auch die 3 Flüge, die der Gefangene bisher über die Front gemacht hat, lagen über dem Raum La Bassée-Lens.
Die Stärke dieser neu eingesetzten Jagdstaffel beträgt wie bisher 18 Flugzeuge. Gef. hat nicht davon gehört, dass eine Erhöhung des Etats geplant sei. Mit Ausnahme des flight commanders und des Gef. selbst sind alle Piloten eben erst von den Fliegerschulen gekommen.
3.) Auftrag und Abschuss:
Gefr. hatte mit 3 anderen Camels 2 tiefer fliegende A.W. Flugzeuge zu begleiten. Nach den Beobachtungen des Flugmeldedienstes kreiste das Geschwader im Raum Phalempin Pout à Marq. Der Gef., der als letzter seines Geschwaders flog, sagte aus, er wäre von einem etwas höher fliegenden Albatros von rückwärts angegriffen und heruntergedrückt worden, ohne einen Schuss in das Flugzeug erhalten. Da der Motor aus ihm unbekannten Gründen nur 120 km gemacht habe, so sei es ihm unmöglich gewesen, von seinem Gegner loszukommen.
4.) Irgendwelche Beobachtungen über englische Angriffsabsichten in seinem Abschnitt will der Gef. nicht gemacht haben. Bei der grossen Zurückhaltung, mit der er sich zu solchen Fragen äussert, können Schlüsse daraus nicht gezogen werden.
5.) Wie vor einiger Zeit ein Südafrikaner, so erklärte auch dieser Australier, dass nach seiner Erkenntnis ein besonderer Widerstand gegen die Rückgabe der von den Australiern besetzten deutschen Kolonien nicht erhoben werden würde, falls es die englische Regierung nach einem Friedensabschluss verlange; dass Reichsinteresse würde hier über das der betr. Kolonie gestellt werden.
6.) Gef. frägt, ob wir schon ein Flugzeug von Squ. 68 erbeutet hätten. Damit ist die Verlegung auch dieser australischen Squadron (bisher in Harlaxton) nach Frankreich erwiesen.
7.) Abzeichen des australischen Observers: 2 Flügel zwischen denen ein O auf blauem Grund (Das engl. Observer Abzeichen hat nur 1 Flügel).
gez. Frhr. v. Karg-Bebenburg
Tettenborn
Hauptmann und Nachrichtenoffizier der O.H.L.
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